Abenteuer in Patagonien

Autopanne mit Brandgefahr

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Reiseroute auf der Ruta 9 durch Santa Cruz Dieses Abenteuer erlebten wir auf der Fahrt von El Calafate über die Ruta 9 nach Puerto Santa Cruz. Die Ruta 9 ist eine kleinere, 200km lange, nicht asphaltierte Straße vom Westen Argentinien durch die Provinz Santa Cruz an die Ostküste. Sie verbindet die bekannte Abenteuerstraße Ruta 40 mit der ebendso bekannten Nord-Süd-Verbindung Ruta 3.
Da wir in Richtung Norden nicht weitere 3000km auf der Schotterstraße Ruta 40 fahren wollten, ergab sich an dieser Stelle die Möglichkeit, auf die ausgebaute Ruta 3 zu wechseln. Wir starteten am Mittag in El Calafate, mussten ein paar Kilometer Richtung Süden zurückfahren, um dann auf die besagte Ruta 9 zu gelangen. Unsere Reiseroute ist auf der Karte durch die grüne Linie zu sehen.


Ruta 9 durch Santa Cruz Die Straße ließ sich mit ca. 60 Km/h noch recht gut befahren. Rechts gelegen sah man die typische patagonische Steppe, ohne Baum, Strauch oder andere Abwechslung. Links gelegen tat sich ein breites Tal auf, in dem der Rio Santa Cruz fließt.
Das Fahrgeräusch, eine Mischung aus klappernden Autoteilen und Steine, die an den Fahrzeugboden schlugen, war schon zu einem bekannten Rauschen im Hintergrund geworden (großes Entschuldigung an die Autovermietung). Nach 50Km hielten wir das erste Mal an, um ein paar Fotos von der Schlucht zu machen.

Bianca fiel der Geruch von Benzin auf, der sich trotz des Patagonischen Windes sturr in der Luft hielt. Ein Blick unter das Auto brachte das Übel zum Vorschein. Einer der vielen Steine muss mit voller Wucht die Benzinleitung getroffen haben, so dass sie einen zwei Zentimeter langen Riss hatte. Munter tropfte das Benzin aus der Leitung.

Ruta 9 am Rio Santa Cruz Was tun war die Frage. Umdrehen und nach El Calafate fahren würde uns einen Tag zusätzlich kosten. Weiterfahren? Der Tank war noch 3/4 voll, der Tag war erst halb rum und es waren nur noch 200Km bis zum Ziel...
Also rein ins Auto und los, keine Pausen und keine Fotos mehr, denn jede Minute stehen kostete einige Milliliter Sprit.
In den nächsten Stunden kam mir schon mal der Gedanke was passiert, wenn das Benzin auf die heiße Auspuffanlage spritzt, würde es zu einer Zündung kommen? Würde das Auto explodieren können? Können wir schnell genug unsere Sachen aus dem Auto retten? Wie kommen wir dann weiter? Was erzählen wir der Autovermietung? Wie sind unsere Versicherungen? Ja, man hat viel Zeit, wenn man mit 60 Km/h über die Schotterpiste donnert, zu viel Zeit zum nachdenken.

Anfangs schien der Benzinanzeige der Verlust des Treibstoffs nichts auszumachen, sie bewegte sich kaum. Doch dann bemerkten wir, das die Nadel ab und zu einen Sprint einlegte und einen Satz nach unten macht... diese Anzeige schien also nicht liniar zu sein, verdammt, welcher Ingenieur hatte das wieder ausgetüftelt.
Langsam aber sicher hüpfte die Benzinnadel Richtung null und uns trieb es den Schweiß auf die Stirn.
Durch einen Pistenabschnitt mit tiefen Furchen und Stegen aus hart getrockneter Erde, die uns zur langsamen Fahrt zwangen, verloren wir wertvolle Zeit und wertvollen Treibstoff.
Es hätte natürlich noch die Möglichkeit gegeben, rechts oder links Richtung einer der ausgeschilderten Estancias zu fahren, aber woher sollten wir wissen, wie weit es dort hin ist, ob sie noch bewohnt ist und ob wir dort Hilfe erhalten. Der Hauptgrund für unsere Weiterfahrt war aber eher unser Dickkopf, ans Ziel gelangen zu wollen.
So mussten wir Konsequenzen ziehen aus dem schnellen Verlust unserer beiden wertvollsten Faktoren (Zeit & Benzin). So erhöhten wir die Fahrgeschwindigkeit auf 70 bis 80 Km/h. Dieses erforderte eine deutlich höhere Konzentration, um den Furchen und Hügeln auszuweichen und erhöhte das Risiko das Auto ganz zu Schrott zu fahren.

Nachdem wir eine weitere Stunde über die Piste "flogen" und der Benzintank auf Reserve lief, kamen wir zur Ruta 3. Nun war die Gefahr fast gebannt, würden wir hier zum stehen kommen, so hätte uns sicherlich ein netter Autofahrer aufgelesen. Nach weiteren Minuten der Raserei kamen wir in die kleine Stadt
Comandante Luis Piedra Buena. In dieser Stadt mit ca. 3000 Einwohner fanden wir zuerst einen Laden mit Autozubehör. Meine Improvisationskünste reichten aber nicht aus, um die nötigen Dinge für eine Eigenreperatur zu bekommen, so fragte ich mich nach der nächsten Werkstatt durch. Es fand sich schnell jemand, der uns persönlich bei seiner Liblingsautowerkstatt ablieferte.

Automechaniker mit Zigarette (Zur Verfügung gestellt von Jürgen Schütz). Der Automechaniker unterbrach sofort seine Arbeit um uns gestrandete Touristen zu versorgen. Eigentlich dachten wir, alle Gefahren seien gebannt und der Tag kann nur noch ein gutes Ende nehmen. Doch als der Mechaniker mit seiner Zigarette im Mund unter das Auto kroch, um die defekte Benzinleitung auszutauschen, kamen wieder diese Gedanken:

...würde es zu eine Zündung kommen? Würde das Auto explodieren können? Können wir schnell genug unsere Sachen aus dem Auto retten? Wie kommen wir dann weiter? Was erzählen wir der Autovermietung? Wie sind unsere Versicherungen?...

Auf Nummer sicher gehend, traten wir lieber ein paar Schritte vom Auto weg, damit die Stichflamme uns nicht gleich dahin rafft.

Nach 15 Minuten war alles vorbei, der Mechaniker hatte das defekte Stück Schlauch herausgeschnitten und ein neues gebrauchtes Stück dazwischen gesetzt und mit zwei Kabelbindern fixiert (die VW Vertragswerkstatt zuhause hätte vermutlich gleich den ganzen Schlauch mit Tank ausgetauscht). Die nächste Sorge galt der zu erwarteten hohen Rechnung, da wir als Touristen ja völlig hilflos ausgeliefert waren. 15 Peso (5€) wollte er haben. Ich machte innerlich drei Luftsprünge und gab ihm 30 Peso. Er hätte auch 100 Peso verlangen können und ich hätte sie ihm ohne zu zaudern gegeben, nur glücklich, das alles wieder gut ist.




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